Basilika

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Keyword: Basilika

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San Apollinare Nuovo.gif Abb. Schemagrundriss der Basilika S. Apollinare Nuovo in Ravenna, frühes 6. Jhrd

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Definition: Der Begriff Basilika ist auf das altgriechische basiliké („königlich“) zurückzuführen und bezeichnete ursprünglich eine römische Königshalle.

Wegen der Ähnlichkeit des Grundrisses wurde dieser Begriff auf die langgestreckten frühchristlichen Kirchen übertragen. Der Bautyp der Basilika mit Längs- und Seitenschiffen und einer Apsis im Osten des Gebäudes hat sich im Abendland als wichtigster Grundtyp einer christlichen Kirche bis in die heutige Zeit erhalten.

„Basilika minor“ ist ein katholischer Ehrentitel für bestimmte Kirchen, mit dem die besondere Bedeutung dieser Kirchen hervorgehoben werden soll.

Information: In den ersten Jahrhunderten nach Christus versammeln sich die Christen in privaten Häusern. Erst ab dem 4. Jahrhundert werden mit der staatlichen Wende zum Christentum unter Konstantin vermehrt christliche Gotteshäuser gebaut. Es entstehen zwei grundsätzlich verschiedene Gebäudetypen: Die Basilika betont den Weg durch das Gebäude zum Allerheiligsten, dem Altar in oder vor der Apsis; der Zentralbau betont die Mitte oder das Zentrum des Gebäudes als besonderen Ort (siehe auch Kirche-Gebäude). Während im byzantinischen Reich viele Zentralbauten errichtet werden, wie z.B. die Hagia Sophia in Konstantinopel, wird der Zentralbau in der abendländischen Kirchenbaukunst vorwiegend für Tauf- und Grabkapellen - also für Momente des Überganges - gebaut. Hier bestimmt die Basilika weitestgehend den Grundriss für die Kirchen.

Die frühchristliche Basilika besteht aus einem Längsschiff und zwei Seitenschiffen, die durch Stützen vom Längsschiff getrennt sind. Im Westen ist der Eingang, meistens mit einem Vorhof, und im Osten - hinter dem Triumphbogen - schließt die Apsis das Kirchenschiff ab.

In der Romanik wird die bis dahin flache Decke des Längsschiffes gewölbt. Zwischen Apsis (und Chor) und Längsschiff schiebt sich ein Querschiff. Dadurch entsteht ein kreuzförmiger Grundriss mit der Vierung als Schnittkörper von Längs- und Querschiff. Später wird die Vierung oft mit einer Kuppel versehen.

In der Gotik wird der kreuzförmige Grundriss verfeinert, die Kirchen werden größer und die Wände in große Fensterflächen mit zahlreichen Stützen und Strebepfeilern aufgelöst.

Im Barock wird meistens an der Längsausrichtung der Kirche festgehalten, auch wenn der Grundriss des Kirchenschiffes eine elliptische Form hat. Es entstehen auch vermehrt Zentralbauten.

In der Renaissance sind Zentralbauten beliebt, sie passen aber nicht so gut zur Dynamik der Abendländischen Liturgie, die sich zu einer Prozessionsliturgie entwickelt hat, also den Weg zelebriert.


Interpretation: Ob die römische Königshalle als Vorbild für die ersten christlichen Kirchen gedient hat, ist bei Historikern und Theologen umstritten. Es gibt auch die Theorie, dass die Bauten anderer heidnischer Minderheiten und die frühen christlichen Gotteshäuser sich gegenseitig beeinflusst haben.

Da die Bauform der Basilika sich nicht erst langsam zusammen mit der Ausformung der entsprechenden Liturgie entwickelt hat, sondern von Anfang an in ihren wichtigsten Elementen vorhanden war, und so die christlichen Kirchen über Jahrhunderte bestimmt hat, scheint es zu einfach, sie für eine mehr oder weniger beliebige Nachahmung eines weltlichen Gebäudes zu halten. Vielmehr ist hier eine ganz neue Form des Umgangs mit dem Göttlichen architektonisch ausgedrückt.

Der Kunst- und Architekturhistoriker Nikolaus Pevsner schreibt: „Die spezifischen Funktionen des christlichen Gotteshauses haben in dieser Epoche bereits einen so adäquaten und endgültigen Ausdruck gefunden, dass keine gotische Kathedrale, kein Kirchenbau der Gegenwart daneben wesentlich Neues aufzuweisen hat. Die frühchristliche Kirche in der Form der Basilika ist das Symbol des Weges, auf dem die Gläubigen dem Wunder der Transsubstantiation entgegenschreiten. Das Ziel dieses Weges ist die Apsis mit dem Altar, auf dem sich das Mysterium der Fleischwerdung Gottes vollzieht.“(s.u.)

Tiefenpsychologisch betrachtet geht es um das nach innen Gehen, um dort den Kontakt mit dem Göttlichen - also dem Selbst - zu suchen.

Der Kunsthistoriker Gottfried Richter vergleicht in diesem Zusammenhang die frühchristliche Basilika mit dem griechischen Tempel, der aus baugeschichtlicher Sicht als der absolute Höhepunkt der Architektur gilt, was die Schönheit und Proportion des plastisch-körperlichen Baukörpers von außen betrifft, dessen Inneres aber eine nur unbedeutende Rolle spielt:

„Das wird noch deutlicher, wenn man noch einmal auf das Verhältnis der Basilika zum griechischen Tempel blickt. Was einem sogleich ins Auge fällt, ist, dass sie gleichsam seine Umstülpung ist. Was beim Tempel draußen war, die Säulen, die ihn so lebendig umhüllten, ist nach innen getreten. Das Innere aber, die feste Wand des Tempelkerns, der Cella, ist zur Außenwand geworden. Das heißt: was der Grieche noch „im Umkreis“ erlebt hatte, die lebendige Welt göttlicher Schöpfergedanken, die Bildekräfte des Geistes, wird nun im Inneren erlebt.“ Gottfried Richter, s.u.

So betrachtet symbolisiert die Basilika (wie auch der christliche Zentralbau) die Rücknahme der Projektionen nach außen und die Hinwendung und Begegnung mit dem Selbst im eigenen Inneren.

„Dem Mysterium, dem verborgenden Geheimnis der Seele, des inneren Selbst und des Inneren-Göttlichen kann man nur gewahr werden, wenn man "in sich geht", die Aufmerksamkeit nach innen richtet und die üblichen alltäglichen Gedanken und Fantasien zum Schweigen kommen.“ Lutz Müller, Mystos-Prinzip

Wie kann man das symbolisch besser ausdrücken als mit einem Gotteshaus, in das man hineingeht und in dem sich feierliche Räume öffnen!

Die Elemente im Inneren der Basilika, die symbolisch auf das Selbst hinweisen, sind zahlreich: Die Stützen begleiten wie rhythmische Zeiteinheiten den Weg ins Innere. Das Querschiff schiebt sich zwischen den Weg und sein Ziel, es „kommt in die Quere“, und in der Vierung findet die Vereinigung zwischen Quer- und Längsschiff - die Vereinigung der verschiedenen Polaritäten - ihren Ausdruck, besonders schön dargestellt durch eine auf die Vierung aufgesetzte Kuppel, die den Kreis mit dem Quadrat verbindet. Die Westfassaden vieler Romanischer und Gotischer Kirchen sind über dem Eingang mit einem Rosettenfenster versehen, das in Form eines Mandalas dem Hineingehenden die potentielle Begegnung mit dem Selbst andeutet und dem Hinausgehenden in leuchtenden Farben von dieser Begegnung erzählt.


Literatur: Standard; Nikolaus Pevsner, Europäische Architektur; Gottfried Richter, Ideen zur Kunstgeschichte; www.kath.de/lexikon/symbole_kirchenraum; www.kirchengucker.de

Autor: Ernst, Christine

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