Ball

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Definition: Ein Ball ist meistens ein kugelförmiges, elastisches Spielzeug oder Sportgerät aus Leder, Gummi oder Kunststoff.

Information: Bal (althochdeutsch) kommt von dem französischen balle (Kugel) und gehört mit dem weitergebildeten englischen „ballock“ (Hoden), eigentlich „Bällchen“ zu der indogermanischen Wurzel „*bhel-“ für „(auf)blasen, schwellen, strotzen“ und bedeutet eigentlich „Aufgeblasenes, Geschwollenes“.

Interpretation: Der Ball kann in der Mythologie sowohl die Sonne als auch den Mond verkörpern. Ballspiele stehen in Verbindung mit Sonnen- und Mondriten und sind symbolisch für die Macht der Götter, die die Planeten, Meteoriten und Sterne über den Himmel werfen. Goldene Bälle sind Attribute der Harpyien (Fabelwesen der griechischen Mythologie).

Ein tänzerisch zelebriertes Ballspiel am Hof des Phäakenkönigs wird in Homers Odyssee erwähnt, wobei zwei Jünglinge den Ball aus roter Wolle springend gradauf zu schleudern versuchten.

Im kirchlichen Brauchtum galt der Ball bei Klosterspielen dann als Symbol Christi, der wieder auferstandenen Ostersonne. Diese „Oster-Pilota“ wurde in Auxerre (Frankreich) bis 1538 zelebriert, indem Kleriker um das Bodenlabyrinth tanzten und einander dabei den Ball zuwarfen.

Wenn wir „Ball“ hören, denken wir meist an Sport, Spiel, Kinderlachen. Ein Ball kann rollen, fliegen, hüpfen, kugeln, abspringen, meist schwimmen, er kann groß sein oder klein, weich oder hart, aus verschiedensten Materialien und er macht meist Spaß. Er ist oft leicht und angenehm zu handhaben und bietet jüngeren Kindern wie auch älteren Menschen die Möglichkeit, körperliche und motorische Fertigkeiten zu trainieren. Auch kann man mit ihm auf spielerische Weise Kontakt, Beziehung und Interaktion herstellen und üben. Viele Redensarten weisen auf diesen zwischenmenschlichen kommunikativen Zusammenhang hin: am Ball sein (aktiv sein; Einfluss gewinnen); den Ball zurückspielen (schlagfertig sein); den Ball abgeben (Verantwortung/Amt ablegen); den Ball an jemanden weiterspielen (jdn. zu einer Stellungnahme auffordern); den Ball aufnehmen (das Wort ergreifen; einen Gedanken weiterführen); den Ball flach halten (unnötiges Risiko vermeiden); den Ball hin- und herschieben (sich vor Verantwortung drücken); den Ball im Spiel halten (sich nicht ablenken lassen); jdm. den Ball auflegen (jdm. die Möglichkeit bieten, ans Wort zu kommen); sich gegenseitig die Bälle zuspielen (einander zu Vorteilen verhelfen).

Es gibt unzählige Ballsportarten, von denen wohl Fußball und Tennis zu den beliebtesten gehören und Millionen begeistern. In diesen und anderen Sportarten bekommt der Ball die Qualität eines Geschosses und wird zu einem Medium des Wettbewerbs und Kampfes zur Erreichung eines angestrebten Zieles (Heros-Prinzip). Dort, wo das Ziel darin besteht, dass der Ball in ein Tor, ein Korb, ein Loch o. ä. gebracht werden soll, ist die sexuelle Symbolik naheliegend. Aggressive und sexuelle Hemmungen zeigen sich z. B. im Traum eines jungen Mannes: "Ich stehe beim Fußballspielen vor dem gegnerischen Tor und will hineinschießen. Das Publikum feuert mich an, alles scheint von mir abzuhängen. Aber ich kirege den Ball einfach nicht ins Tor: erst treffe ich den Ball nicht, dann schieße ich so schwach, dass der Torwart keine Schwierigkeiten hat, den Ball zu halten. Ich höre Pfiffe und Auslachen. Es ist mir peinlich, öffentlich so schwach dazustehen."

Ein Ball hat keinen Anfang und kein Ende und ist somit, ähnlich wie der Kreis oder das Mandala, ein Symbol der Einheit, Ganzheit und Vollständigkeit. Wenn Menschen etwas Ganzes und Vollkommenes bildnerisch ausdrücken wollen, greifen sie oft auf runde, symmetrische Gestaltungen zurück. Unter der Perspektive der Analytischen Psychologie kann der Ball, z. B. in Form der goldenen Kugel (Froschkönig), auch als Selbst-Symbol angesehen werden.

Literatur: Standard

Autor: Schneider, Marita

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