Arbeit

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Keyword: Arbeit

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Definition: Hesiod (8. Jh. v. Chr.) preist das Arbeiten (ergazomai, ergon, vgl."Werk") als die bessere Art des Streits (Eris), deren Schattenseite zu Hader und Krieg führt. Die Etymologie des deutschen Worts ist ungeklärt. Geläufig ist die Herleitung von ahdarabeit= "Mühsal" (Kluge), jedoch auch von idg. orbho= "verwaist; Waise".

Information: Nimmt man das "Verwaistsein" des Menschen i. S. der existenziellen" Geworfenheit" (der auch die "Vertreibung aus dem Paradies entspricht), so bringt sie Mangel und die Bemühung hervor, diesen Zustand zu kompensieren bzw. zu verwandeln. Im Wesen der Arbeit liegt ein Wandlungsgeheimnis. In der Alchemie ist "die Waise" ein Ausdruck für den verborgenen "Stein der Weisen", den lapis, der erst durch das alchemistische Werk sichtbar wird. Albertus Magnus verwendet die griechische Bezeichnung orphanus für diesen Edelstein. Nichts ist äußerlich geringer und nichts in der Natur wertvoller als diese Kostbarkeit, die zugleich ein Symbol des durch Erkennntnis gewandelten Menschen ist. Das existenziell gegebene Verwaistsein des Menschen und das Annehmen dieses unzulänglichen Zustandes sowie von Mühsal und Arbeit als schöpferischer Möglichkeit der Verwandlung rücken hier in einen Sinnzusammenhang.

Interpretation: Nachdem körperliche Arbeit in der Antike wenig geschätzt war, brachte der Hl. Benedikt von Nursia (um 500) mit seiner Regula St. Benedicti eine Wende, indem er Gebet und Arbeit zu gleichbedeutenden Säulen des Gottesdienstes machte. Aufschlussreicher als das bekannte Gebot "ora et labora" (bete und arbeite) ist der Satz: "Homo debet colere terramsi vult colere Deum" (der Mensch muss die Erde bearbeiten (pflegen/kultivieren/ehren), wenn er Gott verehren/dienen will).

Der Wortstamm von lat. = colere, das sowohl aktives Bearbeiten, Gestalten, Verwandeln (cultura) bedeutet achtsame Verehrung, sorgfältige Berücksichtigung (cultus, religio), hat zum Kern eine Bedeutung von "Sich-bewegen-um; umwenden". Dies kann i. S. gleichförmig sich wiederholender Akte verstanden werden, aber auch in der aufmerksamen Zuwendung durch mehrere "Umkreisungen" bzw. Arbeitsgänge hindurch. Das "Wenden, Umwenden" findet sich auch im gr. Wortstamm "trep" (= "drehen, wenden, sich wenden"; vgl. auch die "Tropen", Wendekreise), welche dem franz. travailler und dem Span. trabajar zugrunde liegen. Im Sich-bewegen-um, Tun, Umwenden, Umwandeln geschieht Verwandlung. Wenn jedoch zwischen arbeitendem Subjekt und dem, was es tut, keine innere Beziehung besteht, entsteht das, was K. Marx als "entfremdete Arbeit" bezeichnet hat. Der Mensch wird sich selbst fremd, wenn er das, was er tut oder herstellt, nicht als Eigenes erkennen und libidinös besetzen kann. Andererseits ist Gleichförmigkeit an sich noch kein Grund zur Entfremdung. Im positiven Fall, z. B. bei stark rhythmisch betonter Arbeit steinzeitlich lebender Stammeskulturen (Maisstampfen etc.) macht gerade die gleichförmige Ritualisierung eines Arbeitsvorgangs Zustände der Losgelöstheit aus der alltagsbeherrschenden Ich-Fixierung möglich.

Meditationsmethoden machen von dieser Wirkung Gebrauch. Der Unterschied zur entfremdeten Arbeit liegt im Interesse, in der freien, bejahenden Entscheidung und im Erleben von Sinnhaftigkeit.

Schöpferische Arbeit ist die gestalterische Grundlage eines jeden "Werks" (s. d.), des großen "opus" der Alchemie sowie der vielen kleinen Werke, die wir im Alltag vollbringen. Im Großen wie im Kleinen wird Arbeit als die dem Menschen eigentümliche Möglichkeit und Mittel zu Gestaltung, Wandlung und Erkenntnis, wenn nicht gar Erlösung (Alchemie) sichtbar. Helden in Mythos und Märchen müssen häufig dienen bzw. große Arbeiten verrichten (Herakles).

Hegel charakterisiert Arbeit geradezu als Mittel zur Bewusstwerdung des Menschen. In der Anthropologie wird sie deshalb zu den bestimmenden Merkmalen der Spezies Mensch gerechnet. Arbeit führt von Natur zu Kultur, bewirkt Veränderung der Wertigkeit des Bearbeiteten und wirkt zurück auf den Arbeitenden. Sie hat differenzierende und integrierende Wirkung und ist notwendig, um Ideen in der Erfahrung zu verankern. Sie ist ein Mittel, dem Gestaltlosen zur Gestalt zu verhelfen, verborgenes Potenzial "zur Welt zu bringen".

Arbeiten (im Süddeutschen "schaffen" genannt) bewirkt Weltschöpfung, und, zurückwirkend auf den Arbeitenden, Selbstschöpfung. Auch der therapeutische Prozess ist ein schöpferischer Arbeitsprozess. Freud nannte die Fähigkeit zu Lieben und zu Arbeiten als Kriterien seelischer Gesundheit. In wie hohem Maß Arbeit nötig zur Selbstvergewisserung ist, zeigt die starke Beeinträchtigung des Selbstwerts durch Arbeitslosigkeit. Das Arbeitenmüssen in Träumen kommt häufig bei starkem Vorherrschen intuitiver Kräfte vor und weist auf die Notwendigkeit, die Realitätsfunktion zu entwickeln, hin.

Literatur: Standard

Autor: Romankiewicz, Brigitte

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