Abschneiden

Aus Symbolonline
Wechseln zu: Navigation, Suche

Keyword: Abschneiden

Links: Abschied, Ende, Kastration, Messer, Operation, Schneiden, Schwert, Trennung

Definition: Das Abtrennen von ursprünglich Verbundenem, einen Teil von einem Ganzen abtrennen.

Information: Keine

Interpretation: Abschneiden kann symbolisch genauso wie im konkreten Leben ein destruktiv-zerstörerischer wie hilfreicher, reinigender und differenzierender Akt sein. Abgeschnittene Blumen welken und sterben, weil sie, vom restlichen Organismus abgetrennt, nicht existieren können. Heftige und überfordernde Trennungsprozesse können als ein Abgeschnittensein von den Wurzeln oder der Lebensader erlebt und dargestellt werden. Seit der Französischen Revolution werden alte Zöpfe abgeschnitten, um mit veralteten Traditionen, Normen und Vorstellungen radikal zu brechen. Jemandem das Wort abzuschneiden, ist eine Geste der Macht; den Weg oder Rückzug abzuschneiden, ist eine aggressive, gefangensetzende, oft vernichtende Kampfstrategie.

In der Amputation (lat. amb: herum, ringsherum; lat. putare: schneiden, reinigen, ordnen, berechnen, auch vermuten) als fachgerechtem operativem Abschneiden oder Abtrennen eines Körperteils zeigt sich die Ambivalenz des Abschneidens beispielhaft: Sie ist mit Verlust verbunden und gleichzeitig notwendige lebenserhaltende Maßnahme.

Der negativ-bedrohliche Aspekt des Abschneidens ist die Kastration (lat. castrare: verschneiden, entmannen), die meist ein Verlust ohne Gewinn ist. In der Psychoanalyse wird der Kastrationskomplex (Ödipuskomplex) als zentrales psychisch wirksames Geschehen beschrieben: Jungen fürchten, der Vater könne ihnen zur Strafe, weil sie die Mutter lieben, den Penis abschneiden oder ihr Penis sei im Vergleich zu dem anderer zu klein; Mädchen glauben in der Vorstellung Freuds, sie seien kastrierte Mängelwesen, woraus der Penisneid des Mädchens resultiere.

Das Abschneiden der Daumen wurde in der "schwarzen Pädagogik" als Strafe für Daumenlutschen angedroht und im Bilderbuch Struwwelpeter eindrucksvoll dargestellt. In diesem Fall ist Abschneiden Strafe für Regressionsneigung, orale Fixierung und oral-sexuellen Lustgewinn. Auch die tadelnde Aufforderung, man solle sich eine Scheibe von jemandem abschneiden, also sich ein Beispiel an ihm nehmen, kann Kastrations- und Verlustängste auslösen. Fantasien und Träume, in denen ein Körperteil abgeschnitten oder amputiert wird, weisen auf Verlust, seelische Verletzung, narzisstische Wunde. Sie können auch auf das Ende oder die Trennung von etwas oder jemandem weisen.

Die Moiren spinnen den Lebensfaden, teilen ihn zu und schneiden ihn ab und das Leben – wie überhaupt komplexere Vorgänge – können in Abschnitte eingeteilt und dadurch übersichtlicher und leichter verstehbar werden.

Literatur: Standard

Autor: Müller, Anette

Meine Werkzeuge
Namensräume
Varianten
Aktionen
Navigation
Werkzeuge