Abitur

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Definition: Das Abitur (lat. abire, abgehen), auch Zeugnis der Reife, Reifeprüfung, ist die Abschlussprüfung am Gymnasium und erteilt die allgemeine Hochschulreife. In Österreich wird das Abitur Matura (lat. maturus: reif) genannt, in der Schweiz auch Matur.

Information: Das Abitur als allgemeiner Zugangsweg zur Hochschule, heute oft nur noch als schwere Hürde empfunden, war im 19. Jahrhundert eine wichtige politische und soziale Errungenschaft des Bildungsbürgertums. Wer Abitur hatte, hatte das Recht, an den deutschen Universitäten zu studieren, unabhängig von seinem Stand. Abitur ablegen zu können, war in Deutschland bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ein Männerprivileg und bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts war es weitgehend ein Vorrecht des Bürgertums, seine Kinder ins Gymnasium schicken zu können und ihnen mit dessen Abschluss den Zugang zur Universität zu ermöglichen. Ab der Weimarer Republik wurden gleiche Bildungschancen für alle sozialen Schichten propagiert. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein lag die Quote der Abiturienten eines Altersjahrgangs unter fünf Prozent. Etwa ab dem letzten Drittel des 20. Jahrhunderts erreichten die Abiturientenquoten pro Jahrgang in Deutschland 30 und mehr Prozent, mindestens die Hälfte der Abiturienten sind heute weiblich.

Zunehmend geriet das klassische Abitur als Ausdruck eines überkommenen bürgerlichen Bildungsideals und -standards auch in die Kritik, erfolgreiche Menschen betonen bis heute manchmal, dass sie kein Abitur haben und dass man es auch ohne Abitur zu etwas bringen könne. Die Inhalte des Abiturs wurden in den letzten Jahrzehnten mehrfach reformiert, und es kann inzwischen auch auf anderen Wegen als über das klassische Gymnasium erreicht werden. Einen harten Einschnitt für das "Ideal-Abitur" in Deutschland stellt die umstrittene Verkürzung des Gymnasiums um ein Schuljahr dar: Nicht mehr allgemeine Bildung und Reifung scheinen hier im Mittelpunkt zu stehen, sondern wirtschaftliche Interessen.

Das Abitur endlich zu haben, ist immer noch ein Meilenstein für junge Menschen; nach dem Abitur verlassen die meisten ihr Elternhaus. Um das Abitur herum haben sich viele Bräuche und Riten entwickelt wie: Abi-Ball, Abi-Fahrt, Abi-Streich, Abi-Zeitung. Abiturienten schreiben es groß auf ihr Auto, das sie zum Abitur geschenkt bekommen, wann sie ihr Abi abgelegt haben.

Interpretation: Das Abitur ist eine Initiation und ein Ritual. Es kann traditionelle und humanistische Bildung verkörpern wie auch sozialen Rang oder sozialen Aufstieg. Psychisch kann es für ein inneres Reife- und Endziel stehen.

Träume von Schule, Abitur, Examen, Klausuren sind häufig mit größeren Ängsten und Minderwertigkeitsgefühlen verbunden und können auf einen hohen Leistungsdruck, auf Stress, Versagensangst, auf traumatische Schulerfahrungen oder auch auf Hemmungen in der Entwicklung bzw. Reifung hindeuten. Das Motiv, das Abitur (oder auch einen Test, eine Prüfung) bestanden zu haben, weist im Traum oft auf einen Reifungsfortschritt oder ein Erfolgserlebnis hin und kann so ein Minderwertigkeitsgefühl kompensieren.

Der Film "Die Reifeprüfung" (1967, USA) mit Dustin Hoffman war für seine Zeit ein Tabubruch, weil er die Beziehung einer verheirateten Frau zu einem jüngeren Liebhaber darstellte.

Literatur: Standard

Autor: Müller, Anette

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